19. August 2026

Wann ist ein Intraoralscan wirklich laborfähig?


Laborfähiger Intraoralscan. Viele Zahnarztpraxen arbeiten heute bereits mit dem Intraoralscan. Auf dem Bildschirm entsteht ein detailliertes digitales Abbild der Situation im Patientenmund, die Daten lassen sich ohne klassischen Abdruck an das Dentallabor übermitteln – und trotzdem entstehen im Labor gelegentlich Rückfragen oder zusätzlicher Abstimmungsbedarf. Denn: Ein Intraoralscan ist nicht dann gut, wenn er auf dem Bildschirm gut aussieht. Er ist dann gut, wenn das Labor daraus für die geplante Versorgung eindeutig weiterarbeiten kann. Genau hier beginnt digitale Zahntechnik: nicht erst bei Konstruktion und Fertigung, sondern bereits bei den Ausgangsdaten.



Was bedeutet „laborfähig“?

„Laborfähig“ ist kein allgemeingültiger technischer Grenzwert. Welche Daten benötigt werden, hängt unter anderem von der Indikation, dem erfassten Bereich und dem geplanten zahntechnischen Workflow ab. Untersuchungen zur Genauigkeit von Intraoralscans zeigen beispielsweise, dass Scanbereich und Scanprotokoll Einfluss auf das Ergebnis haben können. Aus Laborsicht ist ein laborfähiger Scan deshalb ein Datensatz, der die für die konkrete Versorgung relevanten Bereiche ausreichend vollständig und eindeutig abbildet und zusammen mit den nötigen Fallinformationen eine verlässliche zahntechnische Planung ermöglicht. Dazu zählen je nach Fall die Präparationsgrenzen, die relevanten Nachbarzähne und Approximalbereiche, die Antagonisten und eine plausible Bisssituation. Hinzu kommen eine eindeutige Fallzuordnung sowie Angaben zu Versorgung, Material, Zahnfarbe und besonderen Anforderungen.



Präparationsgrenzen: Entscheidend ist, was im Datensatz sichtbar ist

Bei Kronen, Teilkronen und vergleichbaren präparationsbezogenen Versorgungen gehört die Präparationsgrenze zu den entscheidenden Informationen für die zahntechnische Konstruktion. Dabei gilt ein einfaches Prinzip: Was optisch nicht ausreichend erfasst wird, steht auch im digitalen Datensatz nicht zuverlässig für die weitere Verarbeitung zur Verfügung. Besonders anspruchsvoll können Bereiche sein, die durch Weichgewebe verdeckt oder subgingival gelegen sind. Auch Blut, Speichel oder störendes Weichgewebe können die optische Erfassung beeinträchtigen. Aus Laborsicht ist entscheidend, dass der für die Versorgung relevante Randbereich im übermittelten Scan eindeutig beurteilbar sein muss.



Biss, Antagonist und Kontaktbereiche gehören zum Scanauftrag

Für die zahntechnische Konstruktion zählt nicht nur der präparierte Zahn. Auch seine Umgebung liefert wichtige Informationen. Der Gegenkiefer muss für die geplante Versorgung ausreichend erfasst sein, Nachbarzähne und Approximalbereiche sollten beurteilbar sein und die übermittelte Bisssituation muss plausibel erscheinen. Gerade hier lohnt sich eine differenzierte Betrachtung: Die digitale Bissregistrierung ist ein leistungsfähiger Bestandteil des digitalen Workflows, bildet die reale Okklusion aber nicht unter allen Bedingungen automatisch identisch ab. Untersuchungen zeigen unter anderem Einflüsse der Registriermethode und der Bisskraft. Auch Scannerhersteller geben deshalb konkrete Empfehlungen zur Aufnahme und Kontrolle der Bissregistrierung.



Gute Scandaten brauchen einen klaren Datenweg

Ein hochwertiger Intraoralscan muss nicht nur aufgenommen werden. Er muss vollständig, eindeutig zugeordnet und über einen funktionierenden Workflow im Dentallabor ankommen. Dabei gibt es nicht das eine „richtige“ Dateiformat oder Portal für jeden Fall. Entscheidend ist, dass der zwischen Zahnarztpraxis und Labor vereinbarte Übertragungsweg die erforderlichen Daten und Informationen bereitstellt. Plattformen wie Medit Link, 3Shape Unite und DS Core unterstützen heute die digitale Zusammenarbeit und Fallübergabe zwischen Praxis und Labor. Entscheidend ist nicht der Name auf dem Scanner, sondern ein klar definierter digitaler Übergabeprozess zwischen Praxis und Labor. Das Labor muss je nach Fall wissen, welche Versorgung vorgesehen ist, welches Material gewünscht oder abzustimmen ist, welche Zahnfarbe berücksichtigt werden soll und ob besondere funktionelle oder ästhetische Anforderungen bestehen. Bei ästhetisch relevanten Versorgungen können ergänzende Fotos wichtige Zusatzinformationen liefern. Auch Terminwünsche und besondere Hinweise zum geplanten Ablauf gehören zu einer eindeutigen Fallkommunikation. Ein guter digitaler Workflow verbindet deshalb Scandaten und Fallinformationen.


Scanqualität entsteht im Zusammenspiel von Praxis und Labor

Der größte Vorteil eines digitalen Workflows liegt nicht allein in der Technik. Digitale Datensätze lassen sich gemeinsam ansehen, gezielt beurteilen und besprechen. Gerade bei den ersten Fällen kann das Labor wertvolles Feedback geben: Welche Bereiche waren sehr gut erfasst? Wo fehlten Informationen? Welche Daten werden bei einer bestimmten Versorgung besonders benötigt? So entwickelt sich aus einzelnen digitalen Aufträgen Schritt für Schritt ein eingespielter Workflow. Laborfähige Scans sind kein Zufall. Sie entstehen durch klare Standards, Erfahrung und Feedback zwischen Zahnarztpraxis und Labor.

Sie arbeiten bereits mit Intraoralscans oder möchten digitale Laborfälle sicherer umsetzen? iqdentis unterstützt Zahnarztpraxen dabei, digitale Daten zahntechnisch zu prüfen, gemeinsam einzuordnen und praxistauglich weiterzuverarbeiten.

Sprechen Sie uns an, wenn Sie wissen möchten, welche Fälle sich besonders gut für einen digitalen Einstieg mit iqdentis eignen.

Ihr Holger König, Zahntechnikermeister

 

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